Publikation

Simon, Rainer: Konzert der Sinne. Dimensionen einer phänomenologischen Analyse der Wahrnehmung von Musikaufführungen. Freiburg i.B.: Rombach, 2018.

Analysen von Musik widmen sich meist einer in der Partitur verorteten Werkgestalt. Da Musik allerdings nicht nur ein Notations-, sondern auch ein Klangphänomen darstellt, da sie nicht nur geschrieben, sondern auch aufgeführt und nicht nur gelesen, sondern auch gehört, gesehen, gespürt und ganz allgemein wahrgenommen wird, ist ein zusätzlicher und anderer Analyseansatz erforderlich, um diese wesentlichen über die Partitur hinausgehenden Aspekte in den Blick zu nehmen. Doch wie nähert man sich der flüchtigen, nicht wiederholbaren, sprachlich schwer einzufangenden und vermeintlich subjektiven Wahrnehmung von Musikaufführungen wissenschaftlich an? In »Konzert der Sinne« geht Rainer Simon dieser Frage nach und entwickelt dabei einen Alternativansatz, der sich einerseits aus verschiedenen theoretischen Überlegungen und Diskussionen, andererseits aber vor allem auch aus der konkreten Auseinandersetzung mit Aufführungserfahrungen speist. In seinem ersten von drei Kapiteln wirft Simon einen Blick über den musikphilologischen Tellerrand hinaus, um die in einigen Nachbardisziplinen (Musikpsychologie und -ethnologie, Theaterwissenschaft und Phänomenologie) vorhandenen Anknüpfungspunkte für einen performativen und aisthetischen Analysezugang zu diskutieren, zu reflektieren und in einen Dialog zueinander zu setzen. In zugleich kritischer Abgrenzung und produktiver Adaption werden dabei Konturen des eigenen qualitativen, deskriptiven, von der Wahrnehmung ausgehenden und damit phänomenologischen Verfahrens herauspräpariert. Das zweite Kapitel widmet sich den Gegenständen bzw. Themenbereichen einer phänomenologischen Aufführungsanalyse, die von Parametern wie Klanglichkeit und Räumlichkeit über Körperlichkeit und Emotionalität bis hin zu den verschiedenen in Musikaufführungen emergierenden Bedeutungen reichen. Anhand der Auseinandersetzung mit Aufführungen von Neuer Musik, in denen diese Dimensionen z.B. durch das Auflösen der Grenze zwischen Podium und Auditorium besonders hervortreten, wird ihre konstitutive Relevanz für jede Form von Musikaufführung – also auch für konventionelle klassische Konzerte, in denen sie nicht explizit thematisiert oder gestaltet werden – aufgezeigt. Im dritten und letzten Kapitel werden schließlich die mit einer phänomenologischen Aufführungsanalyse einhergehenden Herausforderungen, insbesondere die sprachliche Uneinholbarkeit und die Performativität der Analyse, diskutiert. In Gänze lassen sich die vielzähligen und verschiedenen Dimensionen einer Aufführung niemals sprachlich erfassen. Und die Transformation der Erfahrung in der Erinnerung und der Beschreibung lässt sich niemals anhalten bzw. objektivieren. Stattdessen sind andere Formen einer deskriptiven Annäherung erforderlich, die vom Autor Mut zur Lücke und zur Selbstreflexion verlangen.

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