Die Anfänge
1946 begann der Germanist Wolfgang Baumgart, im Rahmen des Studiums der Germanistik theaterwissenschaftliche Übungen und Vorlesungen abzuhalten.
1949 riefen er und Heinz Knorr, der Leiter der Studiobühne Erlangen, mit Hilfe eines US-Kulturoffiziers die „Internationalen Theaterwochen der Studiobühne“ ins Leben. Sie fanden bis 1968 statt und machten Erlangen zu einem Zentrum des europäischen Studententheaters. Mit dem von Studierenden der Erlanger Theaterwissenschaft organisierten ARENA-Festival lebte diese Tradition 1991 als „Internationale Woche des Jungen Theaters“ wieder auf. Seit 200x bereichert es das Erlanger Kulturleben alljährlich als „ARENA der jungen Künste“.
1953 erwarb das Bayerische Kultusministerium für die Erlanger Germanistik eine Literatur- und Materialiensammlung, die von Baumgart verwaltet wurde und später den Grundstock der theaterwissenschaftlichen Bibliothek darstellte.
1958 übernahm der Germanist Hans Schwerte die Leitung der theaterwissenschaftlichen Sammlung. Im Dritten Reich hatte er unter seinem Geburtsnamen Hans Ernst Schneider die Position eines SS-Hauptsturmführers inne gehabt. Nach seinem Identitätswechsel in der Nachkriegszeit machte er nun als Hans Schwerte eine unbelastete und unhinterfragte Karriere als Literaturwissenschaftler. Er hielt Vorlesungen und Übungen ab, setzte innerhalb der Germanistik die Bezeichnung „Theaterwissenschaftliche Abteilung“ durch und war maßgeblich an der Planung des Experimentiertheaters beteiligt.
1966 schließlich begann der Bau des Experimentiertheaters. Zu dieser Zeit verwaltete Claus Just die Theaterwissenschaftliche Abteilung.
Konsolidierung
1970. Prof. Dr. Holger Sandig übernimmt die Leitung der Theaterwissenschaftlichen Abteilung. Das Experimentiertheater wird eröffnet. Ein Studium der Theaterwissenschaft als eigenständiges Fach mit Magisterabschluss ist nun möglich.
Die Erlanger Theaterwissenschaft beginnt zu expandieren. Die Zahlen der eingeschriebenen Studierenden steigen rapide an. Hörfunkspezifische Themen halten Einzug in das Lehrangebot der Theaterwissenschaftlichen Abteilung. Ab Ende der 1970er Jahre erweitert die Beschäftigung mit Film und Fernsehen das curriculare Spektrum.
Anfang der 1990er wird dieser Facherweiterung auch offiziell Rechnung getragen: die Abteilung benennt sich um in „Abteilung für Theaterwissenschaft und audiovisuelle Medien.“
Der Durchbruch
1996. Aus der einstigen Abteilung der Germanistik wird das Institut für Theater- und Medienwissenschaft. Es wird (nach der Emeritierung von Prof. Dr. Holger Sandig im Sommer 1995) zunächst kommissarisch geleitet von Prof. Dr. Peter Schmitt.
Zum Wintersemester 2000/01 wird Prof. Dr. Henri Schoenmakers zum Institutsleiter berufen. Eine systematische Reorganisation des Studienaufbaus beginnt.
Mit der Berufung von Prof. Dr. Kay Kirchmann zum Wintersemester 2004/05 wird die konzeptionelle Gleichgewichtung des Theater- und des Medienbereichs institutionalisiert.
Die Erlanger Theater- und Medienwissenschaft versteht sich explizit als ein integrativer Studiengang, in dem Theater und Medien vergleichend gelehrt werden. Ein weiteres Spezifikum ist der hohe Anwendungsbezug des Studienangebots: Die Anwendung von Wissenschaft, die Versinnlichung von Theoremen und die Erprobung und Simulation von (möglichem) Berufsalltag sind Hauptbestandteile der Projektarbeit am Erlanger Institut für Theater- und Medienwissenschaft (ITM).
Gegenwart und Ausblick
Zum Ende des Sommersemesters 2007 verlässt Prof. Dr. Henri Schoenmakers das ITM. Im November 2008 wird Prof. Dr. Matthias Warstat auf den Lehrstuhl berufen. Mit Dr. Hans-Friedrich Bormann und Dr. Jens Ruchatz erhält das Institut im Jahr 2009 außerdem zwei Akademische Räte.
Seit dem Wintersemester 2007/08 wird das Studium der Theater- und Medienwissenschaft auf ein Bachelor-Master-System umgestellt. Der Bachelorstudiengang behält die interdisziplinäre Kombination der beiden Fächer bei und setzt auf eine gegenseitige Inspiration von Theorie und Praxis. Es werden regelmäßige künstlerische Gastdozenturen eingeführt.
Im Wintersemester 2010/11 starten am ITM zwei Masterstudiengänge: ein Master Theater- und Medienwissenschaft (mit den Schwerpunkten Visualität / Bildkulturen und Theatralität / Performative Kulturen) sowie ein Master Theaterpädagogik.
Das ITM engagiert sich verstärkt in interdisziplinären Forschungszusammenhängen, insbesondere im Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen Zentrum und im Interdisziplinären Zentrum Ästhetische Bildung.